Bei einem tragischen Verkehrsunfall ist am Mittwochnachmittag ein Elfjähriger Junge in Wilstorf ums Leben gekommen. Foto: Lenthe-Medien
Bei einem tragischen Verkehrsunfall ist am Mittwochnachmittag ein Elfjähriger Junge in Wilstorf ums Leben gekommen. Foto: Lenthe-Medien
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Nach tödlichem Unfall mit Radfahrer: Mahnwache am Sonntag und Appell des ADFC

Wilstorf - Am Mittwochnachmittag überfuhr ein Lkw-Fahrer in Wilstorf einen Radfahrer und tötete den 11-jährigen Jungen. Der Fahrradclub gedenkt dem Opfer am Sonntag, 19. April, um 14 Uhr, mit einer Mahnwache und einem Ghostbike.

„Wir sind zutiefst geschockt und traurig, dass schon wieder ein Radfahrer in Hamburg von einem Lkw-Fahrer getötet wurde“, sagt Kaija Dehnkamp vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei der Familie und den Freund*innen des Opfers.“

Angesichts des Versagens von Politik und Polizei in Sachen Verkehrssicherheit appelliert der Fahrradclub zugleich an die Hamburger, die Gefahren durch den massiven Autoverkehr in der Stadt nicht länger als schicksalhaft zu akzeptieren: „Der Schutz von Menschenleben muss allerhöchste Priorität in der Verkehrspolitik erhalten: Stoppen wir das Töten auf Hamburgs Straßen – es reicht!“

Das Versprechen des Senats unter Führung von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), für die Sicherheit der Menschen auf Hamburgs Straßen zu sorgen, sei ein reines Lippenbekenntnis. Sehr viel entschlossener präsentiere sich der Bürgermeister, wenn es um die „Rettung“ von Kfz-Stellplätzen gehe. „Mit seinem Parkplatzmoratorium stoppt er wichtige Maßnahmen für die Sicherheit des Radverkehrs – offenbar sind ihm Kfz-Stellplätze wichtiger als der Schutz von Menschenleben“, so Dehnkamp. Es sei in Hamburg keine Verkehrssicherheitsarbeit erkennbar, die im Sinne der Vision Zero für null Tote und keine Schwerverletzten im Straßenverkehr sorgen würde.

Gehandelt werde auch immer erst, wenn ein Mensch zu Schaden gekommen sei oder getötet wurde: „Elf getötete und 273 schwer verletzte Radfahrer in Hamburg allein im Jahr 2025 haben aber offenbar nicht gereicht, um Bürgermeister Tschentscher wachzurütteln und die Sicherheit von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen zur Chefsache zu machen“, stellt Dehnkamp fest. „Nach wie vor gibt es in Hamburg fast nirgends fehlerverzeihende, sichere Infrastruktur, die verhindern hilft, dass ungeschützte Verkehrsteilnehmer*innen wie jetzt der elfjährige Junge durch Lkw-Fahrende getötet werden.“

Der Fahrradclub fordert Bürgermeister Tschentscher und Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) auf, am Sonntag an der Mahnwache teilzunehmen. „Anteilnahme zu zeigen und der Familie des Opfers sein Beileid persönlich zu übermitteln, schafft natürlich noch keine sicheren Radwege. Aber es würde den Angehörigen des elfjährigen Radfahrers und auch allen ungeschützten Verkehrsteilnehmer*innen signalisieren: Ihr seid uns nicht gleichgültig! Wir setzen uns dafür ein, dass so etwas nie wieder passieren kann.“

Zum Schutz von Radfahrenden und Fußgänger*innen in Hamburg fordert der Fahrradclub sichere Rad- und Gehwege sowie mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen. „Kfz-Fahrenden gelingt es anscheinend immer weniger, im Straßenverkehr die Übersicht zu behalten, sie werden zur tödlichen Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer*innen“, so Dehnkamp.

Notwendig seien auch mehr regelhaft und konsequent durchgeführte Geschwindigkeitskontrollen von Lkw-Fahrenden bei Abbiegevorgängen, obligatorische Abbiege- und Notbremsassistenten oder alternativ die Einführung einer Beifahrerpflicht. Lkw-Fahrende ohne Assistenzsysteme oder Beifahrer dürften nicht in Hamburg fahren.

Der Fahrradclub ruft zu einer Mahnwache für den getöteten Radfahrer am Sonntag, 19. April, 14 Uhr, an der Unglücksstelle Winsener Straße 116, 21077 Hamburg (Einmündung Freudenthalweg), auf. Dabei wird ein weißes Ghostbike zum Gedenken an das Opfer aufgestellt.