Harburg – Ein angeblich schweres Gewaltverbrechen hat am Freitagabend einen umfangreichen Einsatz von Polizei und Feuerwehr in Harburg ausgelöst. Gegen 21.54 Uhr meldete ein Anrufer, ein Mann habe in einer Wohnung in der Marienstraße seine Frau erstochen.
Mehrere Streifenwagen sowie Kräfte der Feuerwehr rückten daraufhin sofort aus. Da auf Klingeln und Klopfen niemand reagierte, verschafften sich die Beamten gewaltsam Zutritt zu der Erdgeschosswohnung. Die Tür wurde mit einer Ramme geöffnet.
Vor Ort stellte sich jedoch schnell heraus, dass weder ein Opfer noch ein Tatverdächtiger in der Wohnung war. Hinweise auf ein Gewaltverbrechen fanden die Einsatzkräfte ebenfalls nicht. Auch Anwohner berichteten, keine ungewöhnlichen Geräusche oder Auffälligkeiten wahrgenommen zu haben.
Während des Einsatzes stand ein Einsatzzug der Feuerwehr an der Eißendorfer Straße bereit, musste jedoch nicht tätig werden. Insgesamt waren mehr als ein Dutzend Streifenwagen im Einsatz. Gegen 23 Uhr wurde die Maßnahme ohne Ergebnis beendet.
Nach ersten Einschätzungen handelt es sich vermutlich um einen Fall von „Swatting“ – einem missbräuchlichen Notruf, bei dem schwere Straftaten vorgetäuscht werden, um einen Großeinsatz der Polizei auszulösen. Solche Einsätze verursachen nicht nur hohe Kosten, sondern binden auch Kräfte, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. Zudem sorgen sie bei unbeteiligten Nachbarn für erhebliche Verunsicherung.
Das Phänomen ist in Harburg nicht neu: Bereits Ende vergangenen Jahres kam es im Phoenix-Viertel zu ähnlichen Vorfällen. In einem Fall verfolgten Täter über das Internet sogar live, wie Einsatzkräfte auf einen fingierten Notruf reagierten.
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Hinweise auf die Verursacher des aktuellen Einsatzes liegen bislang nicht vor.

