Der Albert-Schäfer-Weg in Eißendorf: Künftig soll die Straße den Namen von Max Goldschmidt tragen. Foto: Christian Bittcher
Der Albert-Schäfer-Weg in Eißendorf: Künftig soll die Straße den Namen von Max Goldschmidt tragen. Foto: Christian Bittcher
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„Historische Gerechtigkeit“: Albert-Schäfer- wird in Max-Goldschmidt-Weg umbenannt

Eißendorf - Ein langjähriger Streit um die Ehrung eines NS-Profiteurs findet ein Ende: Die Linksfraktion Harburg hat nun einen Antrag eingebracht, den Albert-Schäfer-Weg in Eißendorf umzubenennen (Drs. 22-1464), den die Fraktionen von SPD und Grünen unterstützen.

Künftig soll die Straße den Namen von Max Goldschmidt tragen. Damit rückt der Bezirk Harburg das Gedenken an einen jüdischen Mitbürger in den Vordergrund, der durch den bisherigen Namensgeber persönlich und wirtschaftlich schwer geschädigt wurde.

Albert Schäfer, der ehemalige Chef der Phoenix-Werke, stand seit Jahren im Fokus einer Expertenkommission zur Untersuchung NS-belasteter Straßennamen. Während er 1945 an der kampflosen Übergabe Hamburgs beteiligt war, belegen historische Quellen heute zweifelsfrei seine tiefe Verstrickung in das NS-Unrechtssystem.

Schäfer war verantwortlich für den Einsatz von Zwangsarbeiter in seinen Werken und betrieb aktiv die „Arisierung“ der Firma Metallgummi GmbH, indem er seinen jüdischen Geschäftspartner Max Goldschmidt aus dem Unternehmen drängte.

Heiko Langanke, Mitglied der Linksfraktion im Kulturausschuss Harburg: „Straßennamen sind die höchste Form der öffentlichen Ehrung, die ein Bezirk vergeben kann. Wer von der Verfolgung jüdischer Mitbürger*innen persönlich profitierte und die Ausbeutung von Zwangsarbeiter*innen organisierte, darf kein Vorbild im öffentlichen Raum sein. Mit der Umbenennung in Max-Goldschmidt-Weg korrigieren wir ein historisches Unrecht und geben dem Opfer der damaligen Machenschaften seinen rechtmäßigen Platz in unserer Erinnerungskultur zurück.“

Erinnerung ohne Löschung: Kontext statt Verdrängung

Die Linksfraktion betont, dass die Umbenennung keine Auslöschung der Geschichte bedeutet. Der Antrag sieht vor, am Standort eine Informationsstele zu errichten. Diese soll die Ambivalenz Albert Schäfers – seine Rolle als „Retter der Stadt“ im April 1945 einerseits und sein Handeln als NS-Wirtschaftsführer andererseits – kritisch und transparent dokumentieren.

Unterstützung für Anwohner

Ein zentrales Anliegen der Fraktionen ist die unbürokratische Umsetzung für die betroffenen Bürger. Der Antrag verpflichtet das Bezirksamt sicherzustellen, dass alle notwendigen Änderungen in amtlichen Dokumenten (wie Personalausweise, Fahrzeugpapiere etc.) für die Anwohnenden vollständig kostenfrei erfolgen.

„Wir wollen die historische Aufarbeitung konsequent zu Ende führen, ohne die Anwohnenden durch bürokratische Kosten zu belasten“, so Langanke. „Harburg setzt damit ein klares Zeichen für eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.“